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Neubau, Umbau & Sanierung

Wahrzeichen Tübingens

Die offizielle Wiedereröffnung des Hölderlinturms ist morgen

14.02.2020
Für Tübingen ist der Hölderlinturm ein Wahrzeichen, das die Stadtkulisse prägt. Er findet sich sogar im städtischen Logo wieder: Das kleine t greift die Form des Gebäudes auf. Bilder: Gudrun de Maddalena

Für Tübingen ist der Hölderlinturm ein Wahrzeichen, das die Stadtkulisse prägt. Er findet sich sogar im städtischen Logo wieder: Das kleine t greift die Form des Gebäudes auf. Bilder: Gudrun de Maddalena

Von 1807 bis zu seinem Tod 1843 verbrachte Friedrich Hölderlin die zweite Hälfte seines Lebens im Hölderlinturm in Tübingen. Das macht den Turm zu einem weltweit bedeutenden literarischen Erinnerungsort. 

Seit 2017 ist er für eine umfassende Sanierung und Neugestaltung geschlossen. Mit einem Festakt wird die Wiedereröffnung morgen, am Samstag, 15. Februar 2020, im Beisein von Ministerpräsident Winfried Kretschmann und Kulturstaatsministerin Monika Grütters gefeiert. Der Festakt markiert zugleich den Beginn der landesweiten Programmreihe „Hölderlin 2020“, die den 250. Geburtstag des Dichters würdigt.   

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Wahrzeichen Tübingens Image 1

 
"Unser größtes und bedeutendstes Ausstellungsstück ist der Turm selbst."


Dr. Sandra Potsch, Leiterin Museum im Hölderlinturm


Geöffnet für alle

Ab Sonntag, 16. Februar, ist der Hölderlinturm wieder für alle Besucherinnen und Besucher geöffnet. Bei freiem Eintritt können sie die neu eingerichteten Museumsräume erkunden. Kuratiert wurde die multimediale Dauerausstellung zu Hölderlins Leben und Werk von Dr. Thomas Schmidt, Leiter der Arbeitsstelle für literarische Museen, Archive und Gedenkstätten in Baden-Württemberg. „Der Hölderlinturm macht Hölderlins Gedichte mit allen Sinnen erfahrbar und stärkt das literarische Profil Tübingens“, sagt Dagmar Waizenegger, Leiterin des Fachbereichs Kunst und Kultur der Universitätsstadt Tübingen.

Verschlossene Durchgänge wurden geöffnet und vorhandene erweitert, um die Räume möglichst durchlässig zu erschließen. Erneuert wurden unter anderem die Fußböden und die Fenster.Verschlossene Durchgänge wurden geöffnet und vorhandene erweitert, um die Räume möglichst durchlässig zu erschließen. Erneuert wurden unter anderem die Fußböden und die Fenster.

Museumsausstellung

Im Zentrum der Ausstellung steht das einzig erhaltene Möbelstück des Dichters: der Tisch, auf den er „mit der Hand geschlagen, wenn er Streit gehabt – mit seinen Gedanken“ – so schrieb es einst Hölderlins Pflegerin Lotte Zimmer. Seine intensive Auseinandersetzung mit Sprache, insbesondere mit Rhythmen und Betonungen, wird im Hölderlinturm zur körperlichen Erfahrung für Besucherinnen und Besucher. Ein Sprachlabor lädt dazu ein, Hölderlins literarische Arbeit zu verfolgen und selbst mit Silben, Worten und Versen zu experimentieren. Im angrenzenden Garten, der unter der Federführung der Wüstenrot-Stiftung neu angelegt wurde, lassen sich Hölderlins Texte auf einer eigens dafür konzipierten „Gedichtlaufstrecke“ sogar in Bewegung übersetzen.  

Das Porträt des Dichters hat Hölderlins Zeitgenosse Rudolf Lohbauer im Hölderlinturm gezeichnet. 
Das Porträt des Dichters hat Hölderlins Zeitgenosse Rudolf Lohbauer im Hölderlinturm gezeichnet. 
„Aussicht“ – ist ein Gedichtmanuskript aus Hölderlins Zeit im Turm.  Bilder: DLA Marbach
„Aussicht“ – ist ein Gedichtmanuskript aus Hölderlins Zeit im Turm.  Bilder: DLA Marbach

Mithilfe von Grafiken, Filmbeiträgen und Interviews nimmt die Ausstellung Hölderlins frühe Studienjahre am Tübinger Stift und die Eckpunkte in seinem Leben und Werk in den Blick. Dabei wird auch die große Inspirationskraft sichtbar und hörbar, die der Dichter für Literatur, Musik und bildende Kunst hatte. „Das bedeutendste Exponat ist allerdings der Hölderlinturm selbst. Trotz seiner problematischen Authentizität – 1875 war er bis auf das Erdgeschoss abgebrannt – regt er noch immer die Imagination an und vermittelt uns eine Vorstellung von Hölderlins Lebensalltag und von der Entstehung seiner späten Turmgedichte“, sagt Dr. Sandra Potsch, die Leiterin des Museums im Hölderlinturm.

Info
Öffnungszeiten ab 17. Februar 2020: Donnerstag bis Montag 11 bis 17 Uhr Mittwoch 11 bis 19 Uhr, Dienstag geschlossen, Eintritt frei www.hoelderlinturm.de
   

Hölderlin 2020

Jubiläumsprogramm

2020 jährt sich der Geburtstag von Friedrich Hölderlin zum 250. Mal. Das feiern Tübingen und acht weitere Städte mit der Veranstaltungsreihe „Hölderlin 2020“, die das Deutsche Literaturarchiv Marbach koordiniert. Mehr als 600 Termine gehören zum Gesamtprogramm, das im Februar als Buch erscheint.

Eine Broschüre mit allen rund 25 Beiträgen der Universitätsstadt Tübingen zum Hölderlin-Jubiläum liegt ab sofort im Rathaus-Foyer, im Bürger- und Verkehrsverein, in der Stadtbücherei, im Stadtmuseum und an weiteren Orten aus.
   

Ausstellung

Ein literarischer Erinnerungsort

Die Arbeitsstelle für literarische Museen, Archive und Gedenkstätten in Baden-Württemberg kuratiert die neue Dauerausstellung in Zusammenarbeit mit der Universitätsstadt Tübingen. Besucherinnen und Besucher erleben den Hölderlinturm künftig als biografischen und literarischen Erinnerungsort. Zugleich macht die Ausstellung sichtbar, was sich seit Hölderlins Zeit im und am Turm verändert hat. Dabei ist der Turm selbst das größte und beinahe einzige Original. Er ist ein Ort, der die Imagination anregt, eine Vorstellung vom Alltag der letzten 36 Jahre des Dichters vermittelt und den dort entstandenen Gedichten einen Kontext verleiht. Nicht zuletzt beschreibt Hölderlin in seinem Gedicht „Aussicht“ die Aussicht aus seinem Tübinger Turmfenster.
  

Behutsames Händchen

Ein Rückblick auf die umfangreiche Sanierung

Im April 2018 begannen die umfangreichen Bauarbeiten im und am Hölderlinturm, die rechtzeitig zur Wiedereröffnung im Februar 2020 abgeschlossen wurden. Dabei legten die Architekten des Stuttgarter Büros Coast großen Wert auf eine behutsame Sanierung in enger Abstimmung mit dem Denkmalamt. Die Räume im Turm wurden zwar nur geringfügig verändert, jedoch wurde die ehemalige Wohnung im 2. Obergeschoss nun zum Museum dazu genommen. Verschlossene Durchgänge wurden geöffnet und vorhandene erweitert, um die Räume möglichst durchlässig zu erschließen. Erneuert wurden unter anderem die Fußböden und die Fenster. Im 2. Obergeschoss befinden sich nun das Büro der Museumsleitung und Räume der Hölderlingesellschaft. „Die Kunst während des Umbaus bestand darin, auf engem Raum und in alter Substanz, eine zeitgemäße Ausstellung zu realisieren. Dank des guten Zusammenspiels zwischen Planern und Handwerkern, wurde diese Aufgabe sehr gut gelöst“, so Marcus Vollmer, Projektleiter der Fachabteilung Hochbau.

Die Kosten für die Sanierung und die neue Ausstellung belaufen sich auf insgesamt 2,15 Millionen Euro. Davon trägt die Stadtverwaltung 1,72 Millionen Euro, das Land Baden-Württemberg 180 000 Euro und die Wüstenrot- Stiftung 250 000 Euro. Zusätzlich hat die Wüstenrot-Stiftung 400 000 Euro für die Neugestaltung des Gartens und die Sanierung der Treppe im Garten beigesteuert.  

Der Garten am Hölderlinturm

Den Garten, der zum Hölderlinturm gehört, wurde unter Regie der Wüstenrot- Stiftung neu angelegt. Die Gestaltung erfolgte auf der Grundlage historischer Recherchen und erweitert die Ausstellung im Hölderlinturm in den Außenbereich. Ein Spazierweg führt von den letzten Resten des Turmgartens über den Klinikumsgarten, in dem Hölderlin seine ihm verordneten Runden gedreht haben muss, und mündet in den Bereich der ehemaligen Tuchmacherei. Den Rhythmus seiner Gedichte soll Hölderlin meist im Gehen entwickelt haben. Auf einer angelegten Gedichtlaufstrecke können Besucherinnen und Besucher dies mithilfe des Multimediaguides selbst nachempfinden.  

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