Anzeige

Bahnhof Rottenburg

Viel Leben im Bahnhof

Umfangreiche Sanierung ermöglicht eine vielfältige Nutzung der Rottenburger Bahnhofshalle.

05.07.2021
Das denkmalgeschützte Bahnhofsgebäude Rottenburg ist zu einemerlebbaren und attraktiven Ort geworden. Bilder: Uhland 2

Das denkmalgeschützte Bahnhofsgebäude Rottenburg ist zu einemerlebbaren und attraktiven Ort geworden. Bilder: Uhland 2

Eigentlich kann man den ganzen Tag am Rottenburger Bahnhof verbringen und bewegt sich immer in einem stilvollen Ambiente“, scherzt Orhan Tiryaki, der Freudenstädter Investor, angesichts der gelungenen Sanierung des Rottenburger Bahnhofs. Übernachten im schicken Mini-Appartement, frühstücken im Backhaus Mahl, tagsüber ein Besuch bei Physio-Med, und schließlich ein leckeres venezolanisches oder spanisches Essen im Restaurant „Estacion“. Vielleicht findet auch noch eine Veranstaltung in der Bahnhofshalle statt — das entspräche dem Konzept von Tiryaki, der sich für den Rottenburger Bahnhof viel Leben wünscht. Informationen und Tickets für Veranstaltungen oder das Zugticket für die Heimreise gibt es direkt beim WTG Infopunkt in der Bahnhofshalle. Und wer zwischendrin Geld abheben möchte, kann das ebenfalls gleich am Bahnhof tun.
   

Die Sanierung des denkmalgeschützten Rottenburger Bahnhofs war umfangreich und aufwendig. Statische und brandschutztechnische Auflagen mussten erfüllt werden, die Originalsubstanz des 1861 erbauten Gebäudes wurde, wo es möglich war, bewahrt undmit den Anforderungen an diemultifunktionale Nutzung eines modernen Gebäudes vereinbart. „Es ist viel Herzblut und Geld in das Projekt hineingeflossen“, sagt Orhan Tiryaki und zeigt sich mit dem Ergebnis sehr zufrieden. „Der Bahnhof wertet das Areal rundum auf. Wichtig ist jetzt, dass auch die Umgebung neu gestaltet wird.“
  

Mit Liebe zum Detail

Der erste Eindruck in der Bahnhofshalle ist wertig: Viel Licht strömt durch die raumhohen, verglasten Original-Rundbögen, der Naturstein-Boden ist mit einer modernen Fußbodenheizung ausgestattet, die originell ausgestatteten Toiletten haben jeglichen Bahnhofscharakter abgestreift.
   

Die wohl markanteste Veränderung: Dem denkmalgeschützten Gebäude aus dem Jahr 1861 wurde ein Aufzugturm samt Treppenhaus zur Seite gestellt, um für die medizinische Organisationsgemeinschaft „Physio-Med“ und die Service-Appartements in den Obergeschossen die Fluchtwege und eine barrierefreie Erschließung zu gewährleisten.

„Die größte Herausforderung bei der Planung und Umsetzung des Projekts bestand darin, die Nutzungsanforderungen mit den Belangen des Denkmalschutzes und den baurechtlichen Vorgaben wie zum Beispiel Brandschutz und Schallschutz zu vereinbaren,“ sagt Gerhard Lieb von Lieb Architekten BDA in Freudenstadt, „insgesamt stellt sich die Substanz des Gebäudes als sehr solide dar und konnte auch mit schönen Details aufwarten, wie zum Beispiel die in Stein gravierten Muster an den Säulen der nördlichen Eingangstüren.“

Die Entkernung förderte auch noch einige Überraschungen zu Tage, wie zum Beispiel einen Terrazzoboden oder eine Deckenöffnung im Flur des zweiten Obergeschosses, die über einen Schacht mit einem Firstoberlicht im Dach verbunden war. Diese wurde in seiner ursprünglichen Form wieder instand gesetzt. „Allerdings hatten auch die 70er-Jahre ihre Spuren an dem Gebäude hinterlassen, vor allem an Fenstern und Türen. Somit dienten historische Fotos als Vorlage für die Anfertigung der neuen Fenster“, sagt Sarah Lipps, die projektleitende Architektin.


"Es ist viel Herzblut und auch Geld in das Projekt hineingeflossen."

Orhan Tiryaki
Real Estate Developer


Die meisten Mieter sind jetzt eingezogen. Das spanische Restaurant „Estacion“ eröffnet in den nächsten Wochen. Kurz vor der Eröffnung stehen auch die zehn Appartements im ersten Obergeschoss, die von einem Münchner Unternehmen als Hotelzimmer vermietet werden.

Acht großzügige und freundliche Behandlungsräume und ein großer Gruppenraum stehen der Medizinischen Organisationsgemeinschaft für chinesische Medizin und Akupunktur sowie Physio- und Myoreflextherapie sowie Naturheilkunde zur Verfügung. „Wir freuen uns, dass wir unseren Patienten soviel Abstand in Corona-Zeiten bieten können“, sagt Dr. med. Felicitas Koenen.

Gut angenommen wird auch das Backhaus Mahl, das sich im modernen Anbau befindet. Dessen Gestaltung wurde in enger Abstimmung mit der Stadt und dem Landesdenkmalamt erarbeitet. Vorgehängte Streckmetallelemente nehmen der gläsernen Fassade die Wuchtigkeit und stellen über den Farbton einen Bezug zur Sandsteinfassade des Altbaus her. Auch optische Durchblicke zur Bahnhofshalle werden im hinteren Teil des Cafés durch eine Glasfassade ermöglicht und schaffen eine gelungene Einheit von alt und neu.

Während der Bauphase musste eine kleine Zwangspause eingelegt werden als die Mauersegler zu ihren angestammten Brutplätzen im Dachraum zurückkehrten. „Auch die denkmalschutzrechtlichen Abstimmungen mit dem Landesdenkmalamt haben uns teilweise viel Zeit gekostet“, sagt Tyriaki, „glücklicherweise konnten wir uns auf eine sehr gute Zusammenarbeit mit der Stadt Rottenburg während des gesamten Projektes verlassen.“
  

Datenschutz