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Zeitreise

Den dörflichen Charakter bewahrt

Früher eher von Armut geprägt, ist der Tübinger Stadtteil Hagelloch heute ein begehrter Wohnort

15.03.2019
Das Traditionsgasthaus „Grüner Baum“ hat bis heute seinen urig-schwäbischen Charakter erhalten. Bilder: Dorf- und Kulturverein Hagelloch

Das Traditionsgasthaus „Grüner Baum“ hat bis heute seinen urig-schwäbischen Charakter erhalten. Bilder: Dorf- und Kulturverein Hagelloch

Die idyllische Lage inmitten von Obstbaumwiesen am Rande des Schönbuchs, kein nennenswerter Durchgangsverkehr und das lebendige Miteinander in der Dorfgemeinschaft: All diese Faktoren machen den Tübinger Stadtteil Hagelloch zu einer der begehrtesten Wohngemeinden im Umfeld.

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Das war nicht immer so. Wie andere Ortsteile auch, war Hagelloch früher ein eher ärmlicher Ort.Im 19.Jahrhundert gab es viele Handwerker – unter anderem Maurer, Gipser und Zimmerleute. Andere verdienten sich als Tagelöhner ihren Unterhalt.Gleichzeitig entstand durch Realteilung das Kleinbauerntum.

Handwerker wie die Gipser prägten im 19. Jahrhundert den Ort.

Handwerker wie die Gipser prägten im 19. Jahrhundert den Ort.

Landwirtschaft auf dem Rückzug

Ortsvorsteher Martin Lack ist in Hagelloch aufgewachsen. „Als ich klein war, hat im alten Ortsteil noch jedes zweite Haus Landwirtschaft betrieben“, erzählt er. „Heute gibt es nur noch eine Handvoll Nebenerwerbslandwirte – und fast keine Kuh mehr im Ort.“ Bis 1977 gab es eine genossenschaftlich organisierte Molkerei. „Da hab ich als Knirps noch die Milch von den den Kühen meiner Tante hingebracht.“ Als Glück für Hagelloch bezeichnet er das Engagement der der Streuobstwiesenbesitzer, die nach wie vor diese ökologisch wertvolle Kulturlandschaftpflegen.

Wie viele andere kleine Gemeinden ist auch Hagelloch ein Verlierer des Infrastrukturwandels. Gab es früher zwei Bäckereifilialen und zwei Metzger, befindet sich heute nur noch ein Bäcker im Ortskern. „Und der kann nur überleben, weil er qualitativ hochwertige Backwaren produziert“, so Lack. „Hagelloch teilt das Los vieler anderer Ortschaften, dass die Menschen in die Stadt und in die Supermärkte fahren“. Auch die Post und die Bankfilialen haben geschlossen. Die Folge: Die Straße als Treffpunkt fällt weg und „die Ortsmitte ist nicht mehr so belebt, wie sie eigentlich sein sollte“, bedauert Lack.

Auch heute noch prägen vor allem Handwerksberufe den Ort wie Elektriker, Flaschner, Fliesenleger und Schlosser. Zwei Verlage sind hier ansässig, und ein großes Ingenieurbüro hat seinen Hauptsitz in Hagelloch – mit einer Dependance in Berlin. Gemessen an der Einwohnerzahl, rund 1700 sind es derzeit, hat Hagelloch mit vier Gastronomiebetrieben ein breites gastronomisches Angebot – das Traditionsgasthaus Grüner Baum, die Vereinsgaststätte „Abseits“, die Gaststätte Schützenhaus und das Hofgut Rosenau,das ebenfalls auf Hagellocher Gemarkung liegt. Viele „Auswärtige“ kennen Hagelloch auch, da der Weg zum Schloss Hohenentringen und zum Friedwald durch den Ort führt.

Kleinbauern prägten im 19. Jahrhundert den Ort. 

Kleinbauern prägten im 19. Jahrhundert den Ort. 

Lebendige Vereinskultur

Die starke Dorfgemeinschaft mit ihren engagierten Vereinen und Institutionen prägt den Charakter des Ortes. 2006 feierte Hagelloch sein 900-jähriges Bestehen mit einem großen Dorffest und – unter anderem – einem historischem Handwerkermarkt. Im Zuge der Vorbereitungen wurde der Dorf und Kulturverein gegründet, dessen Vorstand Martin Lack ist. Der Verein hat sich unter anderem zum Ziel gesetzt, dass die Erinnerung an alte Bräuche und Werkzeuge nicht in Vergessenheit gerät. „Erst vor kurzem haben wir aus einem Abbruch eine alte Moste bekommen,“ erzählt Lack, „unser Wunsch ist es, ein kleines Museum im Garten des alten Schulhauses einzurichten, um dort zeigen zu können, wie hat man früher gemostet hat.“ Und auch, um die vielen anderen landwirtschaftlichen Geräte aus der Vergangenheit auszustellen oder auch die Wagner Werkstatt von Gustav Heller wieder aufzubauen.

Für die Zukunft liegen dem Ortsvorsteher zwei Projekte besonders am Herzen: „Unser Kindergarten muss so ausgebaut werden, dass alle Kinder aus Hagelloch einen Platz bekommen.“ Der Anbau des Kinderhauses ist in der Ausschreibungsphase, „aber wenn in ein paar Jahren das Neubaugebiet bezogen wird, wird es wieder knapp“. Und auch die ältere Bevölkerung steht im Fokus: In Planung ist eine kleine Seniorenwohnanlage, mit einem zusätzlichen Raum für Ältere, die alleine wohnen und sich hier ungezwungen zum Kaffee treffen können. Für dieses Projekt hat Hagelloch vor sechs Jahren zwei zweckgebundene Schenkungen bekommen. „Es wäre uns sehr gelegen, wenn wir dieses Jahr den Standort fix machen können, um das Konzept zukunftssicher zu verwirklichen“, wünscht sich Lack. „Dann kann Hagelloch zufrieden in die Zukunftblicken!“

Wie es früher war

Diese Verlagssonderveröffentlichung ist der Auftakt für eine dreiwöchige Zeitreise durch Hagelloch: Unsere Redaktion forscht in der Historie und berichtet drei Wochen lang regelmäßig im Lokalteil des Schwäbischen Tagblatts/Neckar Chronik darüber. Lassen Sie sich überraschen!

Auf einen Blick


Wichtige Daten
in der Geschichte Hagellochs

1106
wird Hagelloch erstmals schriftlich erwähnt. Als älteste Ortsherren sind die Pfalzgrafen von Tübingen nachweisbar.

1296
wird Hagelloch an das Kloster Bebenhausen verkauft.

1807
Nach der Auflösung des Klosteramts kam Hagelloch zum Oberamt Tübingen, mit Ausnahme der Jahre 1810 bis 1842 (Oberamt Herrenberg).

1971
Am 1. Juli 1971 wurde Hagelloch in die Kreisstadt Tübingen eingegliedert.

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