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40 bewegte Jahre

Theater Lindenhof in Melchingen: ein Blick zurück — und nach vorne

21.06.2021
„Der Entaklemmer“ (1994), die legendäre Melchinger Winterreise (1997 und 2017) und das Mössinger Bürgertheaterprojekt „Ein Dorf im Widerstand“ (2013, 2014) – drei der vielen erfolgreichen Produktionen aus dem vielfältigen Spektrumdes Theater Lindenhof. Bilder: Archiv Theater Lindenhof

„Der Entaklemmer“ (1994), die legendäre Melchinger Winterreise (1997 und 2017) und das Mössinger Bürgertheaterprojekt „Ein Dorf im Widerstand“ (2013, 2014) – drei der vielen erfolgreichen Produktionen aus dem vielfältigen Spektrumdes Theater Lindenhof. Bilder: Archiv Theater Lindenhof

Seit 1981 gibt es das Theater Lindenhof auf der Schwäbischen Alb. Aus der aus jugendlichem Eifer entstandenen Initiative wurde ein professioneller, in der Kulturlandschaft fest verorteter Theaterbetrieb. Auch am Haus hat sich einiges getan. Doch immer noch machen die Lindenhöfler kritisch-poetisches Volkstheater mit Bezug zur Region. So steht es in der Satzung der Stiftung. Und dafür wird das Theater Land auf und Land ab geschätzt.
  

Freiheitlich heimatverbunden

1981 kaufte eine Gruppe theaterbegeisterter junger Menschen das Gasthaus Lindenhof mit anliegender Scheune in Melchingen auf der Schwäbischen Alb. Unter ihnen die treibende Kraft war Uwe Zellmer, damals Berufschullehrer in Reutlingen und Leiter einer Theater-AG, heute im Ruhestand. Damals schon an seiner Seite, Bernhard Hurm, Student der Sozialpädagogik, heute über 60 und zweiter Intendant und Schauspieler im Theater Lindenhof. Bei der ersten Vorstellung mit auf der Bühne war auch der heutige Intendant und Schauspieler Stefan Hallmayer.
  

Die Anfangsjahre waren alles andere als einfach. Das freie Theater lebte vom Einsatz der Beteiligten: Einsatz von Arbeitskraft, Zeit und Geld. Vom Theater leben konnte allerdings keiner. Mit mobilen Eigenproduktionen wie Kleinkunst und Kindertheater versuchte man, sich zweite Standbeine aufzubauen. Einen ersten Schritt in die Kulturförderung gab es mit der Gründung des Regionaltheaters. 1994 flossen die ersten maßgeblichen öffentlichen Mittel in das Projekt Lindenhof. In den 90er-Jahren intensivierte sich der Spielbetrieb und auch die Produktion neuer Stücke nahm Fahrt auf. Das Theater war viel unterwegs und die ersten spektakulären Freilichtinszenierungen wurden auf die Beine gestellt. Immer mehr Zuschauer fanden den Weg nach Melchingen oder zu den Gastspielorten in der Region und für seine Produktionen erhielt das Theater Preise. Gesichert war die Existenz der Bühne damit aber noch nicht. Strukturell machte man aus der Initiative Lindenhof einen Verein, später zwei Vereine, getrennt in Aktive und Förderer – der Förderverein des Theater Lindenhofs entstand, der heute mehr als 400 Mitglieder umfasst. Seit Ende 2010 ist das Theater eine Stiftung und die Idee der Gründerinnen und Gründer des Projektes wurde in der Satzung verankert: Man wolle „kritisch, poetisches Volkstheater mit Kernbezug zur schwäbischen Alb“ machen. Auf der Grundlage der gefestigten Struktur konnten endlich auch die notwendigen Entwicklungs- und Sanierungsmaßnahmen am Gebäude angegangen werden.
  

  
Heute ist das Spektrum der Stücke, die im Theater Lindenhof auf die Bühne kommen, breit. Neben oft vom Dramaturg und Autor Franz Xaver Ott recherchierten und aufgeschriebenen Geschichten, die der Region entspringen, sind es auch Theaterklassiker von Shakespeare, Kleist und Schiller.
  

In Molières turbulenter Komödie „Der eingebildete Kranke“ leidet der reiche Argan an der Welt, in der er so gerne im Mittelpunkt stünde. Sein Umfeld nutzt ihn und sein Leiden schonungslos aus. Doch die Hausangestellte Toinette durchschaut das verrückte Treiben und verordnet ihrem Herrn eine Radikalkur, in dem sie mit List und Tücke die Verhältnisse auf den Kopf stellt und ihm die Realität vor Augen führt. Bild: Richard Becker
In Molières turbulenter Komödie „Der eingebildete Kranke“ leidet der reiche Argan an der Welt, in der er so gerne im Mittelpunkt stünde. Sein Umfeld nutzt ihn und sein Leiden schonungslos aus. Doch die Hausangestellte Toinette durchschaut das verrückte Treiben und verordnet ihrem Herrn eine Radikalkur, in dem sie mit List und Tücke die Verhältnisse auf den Kopf stellt und ihm die Realität vor Augen führt. Bild: Richard Becker

Besondere Aufmerksamkeit erlangte das Theater Lindenhof mit seinen Bürgertheater-Projekten wie der Inszenierung des Mössinger Generalstreiks, mit über 100 Mitspielerinnen und Mitspieler und einem kompletten Orchester auf der Bühne oder „Weit vom Schuss“ in Stetten am kalten Markt mit rund 300 Beteiligten.

Von 2016 bis 2019 wurde das Theaterhaus umfassend saniert und erweitert. In der Jubiläumsspielzeit hatte das Theater vor, alle neuen Räume ausgiebig zu bespielen und auch für Veranstaltungen von außen wie Feiern und Tagungen zu öffnen. Doch seit März 2020 waren die Türen des Theaterhauses .geschlossen. Auch eine rauschende Jubiläumsfeier konnte nicht gefeiert werden. Stattdessen fand im März eine große Jubiläumsgala online statt – mit einer Chronik in Bildern und Filmausschnitten, viel Musik von Wolfram Karrer, Heiner Kondschak und Susanne Hinkelbein.

Neu im Programm

Aktuell nimmt der Spielbetrieb wieder Fahrt auf. Den Anfang machte eine Freiluftinszenierung von „Der eingebildete Kranke“ in einer schwäbischen Fassung. Auch die ErzählBar und die JazzMatinée werden wieder vor Publikum stattfinden. Im Juli wird der Lindenhof das Sommertheater in Tübingen gestalten. Zu sehen sein wird von 22. Juli bis 15. August die Hölderlin-Collage „Darum wandle wehrlos fort, und fürchte nichts!“, die aktuell für den Monica Bleibtreu-Preis der Privattheatertage Hamburg nominiert ist.

Info

Die Festgala mit einer Reise durch 40 Jahre Theatergeschichte steht noch online: https://youtu.be/-UVf5tskc8k


Theater und Kleinkunst unter freiem Himmel

Molière auf der Freiluftbühne in Melchingen

Die Freiluftbühne am Sportplatz in Melchingen.
Die Freiluftbühne am Sportplatz in Melchingen.

Das Theater Lindenhof bietet „Kunst trotz Abstand“ und zwar Theater und Kleinkunst in frischer Albluft und unter freiem Himmel. Dafür wurden am Sportplatz in Melchingen eine Bühne und eine Tribüne errichtet. Über 100 Zuschauer finden hier Platz. Vom 18. Juni bis 18. Juli zeigt dort das Theater an neun Abenden „Der eingebildete Kranke“ von Molière in einer schwäbischen Fassung.

Neben der Eigenproduktion bringt das Theater ein abwechslungsreiches Kleinkunstprogramm und Musik von Gästen auf die Bühne. Bernd Kohlhepp und Eckhard Grauer kommen als „Hämmerle und Leibssle“, Dietlinde Ellsässer und Jakob Nacken zeigen „Große Gefühle“, Wolfram Karrer serviert eine musikalische Lesung, Heiner Kondschak spielt unter dem Titel „Du bist mein ganzes Herz“ zusammen mit Hanna Herrlich und Anke Wolf Liebeslieder und ein bisschen Tanzmusik und „Ernst & Heinrich“ präsentieren abstruse Alltagsgeschichten gepaart mit Musik. Auch ein Jazzkonzert des Trios Egeria zusammen mit dem Saxophonisten Sandi Kuhn wird es geben.

Auch im Zollernalbkreis ist die Inzidenz gefallen. Für Freiluftveranstaltungen entfällt die Testpflicht beziehungsweise der Impf- oder Genesungsnachweis.

Möglich wird das Open-Air-Programm des Theater Lindenhof durch Fördermittel des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg im Rahmen des Programms „Kunst trotz Abstand“. Die Vorstellungen beginnen jeweils um 19.30 Uhr. Die Abendkasse öffnet um 18.30 Uhr.

Infos und Karten:

Theater Lindenhof
Unter den Linden 18
72393 Burladingen-Melchingen
Mo., Di., Mi.& Fr. 10-16 Uhr
Tel. 07126/92 93 94 oder
Mail karten@theater-lindenhof.de
Karten auch online unter www.theater-lindenhof.de oder über die VVK-Stellen der Region
   

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